I am a rad tourist

Und als solcher war ich – wie in „Von Nara über die Eroica Japan nach Funabashi“ angekündigt – im Mutterland aller Eroicas, der im Beitragsbild so schön kartografierten Terra Eroica, unterwegs. Acht Tage im Sattel, immerhin 395 km bei 5.870 Höhenmetern, grenzwertig heiß, aber wirklich wunderbar.

Zur Eroica mache ich es mir (wieder) einfach und verweise auf den „Schmidt Max radelt die Eroica“, der das Konzept und die Stimmung in dem verlinkten Beitrag sehr schön wiedergibt.

Daher gleich in medias res und meine (rad tourist-) Stationen im Einzelnen: Vom Startpunkt Agriturismo Relais Campiglioni bei Montevarchi ging es gen Westen nach Poggibonsi, hinein in das wellige Herz der Toskana. Die Straßen sind nie gerade, vor allem nie flach, aber mit ihnen scheint die ganze Landschaft zu atmen. Von dort weiter über San Gimignano nach Volterra. Die letzten Meter hinauf sind wirklich steil, aber oben wartete das Gefühl, in einer anderen Zeit angekommen zu sein. Sehr unaufgeregt – ich hätte mehr Treiben und Durcheinander erwartet. Dann hinunter ans Meer, salzige Luft in Marina di Bibbona schnuppern – und dort der Kontrast mit allen Phänomenen des Tourismus. Allein dadurch nicht nur andere Vibes, sondern auch ein anderer Rhythmus. Was nicht gleichbedeutend mit „schlechter“ verstanden werden soll. Von dort unter flirrender Hitze wieder ins Landesinnere nach Massa Marittima – ein pittoresker Ort, der aber plötzlich voller lila Cappies geflutet war. Ich bin just in den Grinduro hineingeraten! Zur Erklärung: Der (mittlerweile zehnte) Grinduro ist ein Gravel-Event mit Festivalcharakter, bei dem nur ausgewählte Streckenabschnitte auf Zeit gefahren werden, während die übrige Route entspannt im eigenen Tempo zurückgelegt wird. Sehr schöne Stimmung und perfektes Timing, weil vollkommen ungeplant. Zudem war es ein logistischer Glücksfall, weil ich mich dort nebenbei bei den Kollegen von Muc-off mit deren Popo-Creme nachversorgen konnte. So „gestärkt“ ging es weiter nach Bagni di Petriolo, wo ich mich in die öffentlichen (!) Schwefelquellen legen konnte. Auch sehr entspannt. Weiter über Buonconvento zum Albergo San Biagio leicht unterhalb von Montepulciano, wo es den besten Café dieser Ausfahrt gab. Bzw. deren vier. Einer dieser einfachen, vollkommenen Momente dieser Reise. Im nächsten, hier erwähnten Spot Castiglione del Lago hoch über dem Ufer des Trasimener Sees gab es – im Juni, also ohne „r“! – einen hervorragenden Karpfen (!) für mich. Again what learned – ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen von mir hochgeschätzten Speisefisch abseits meiner fränkischen Heimat bekomme. Und als Beilage das Landschaftsbild des Trasimener Sees: Nichts erinnerte in dieser friedvollen Szenerie daran, dass nicht weit von der Terrasse des Restaurants im Jahr 217 v. Chr. Hannibal im Zweiten Punischen Krieg den Römern einen vernichtenden Hinterhalt bereitete. Zum Schluss über Arezzo, wo ich (schon wieder einer dieser Zufälle, die man als rad tourist gebucht hat ;-)) in die 1000 Miglia reingekommen bin, und einen Abstecher zur Fattoria la Vialla, weil man dort einfach vorbeischauen muss, wenn man zufällig daran vorbeiradelt, zurück zum Agriturismo Relais Campiglioni bei Montevarchi. Der Kreis hat sich geschlossen; nicht perfekt, aber rad tourist-rund.

Diese wenigen Bilder mögen Euch einfach als Appetizer dienen: auch hier gilt uuunbedingt nachradeln!! Sind Eroica-Spezialisten hier, die das kenntnisreich ergänzen? Ich freue mich also auf Kommentare für meine nächste Toskana-Runde – vielleicht auch auf einem Vintage-Rad der Marke Kuwahara?

Und: Es gab entgegen der einleitenden Worte zwei kerzengerade Straßen. Einmal vor Massa Marittima und einmal vor Castiglione del Lago. Die hier mitlesenden Fotografen mögen diese als wunderbare optische Achse für eine Reisefotografie nutzen.

Technik

Als einzige Veränderung zu meiner Tour in Japan habe ich grobstolligere Pirelli Cinturato Gravel M in 40 mm aufgezogen. Die Continental Terra Speeds (gibt’s jetzt glaube ich „nur“ noch in der Weiterentwicklung als Pro) hatten zwar noch ein bisschen Profil, aber eben wirklich nur noch ein bisschen. Damit steigt a) die Gefahr eines Plattens und b) ist die Toskana mitunter wild und brauchte einen stärkeren Off-Roader. Das als Begründung des Wechsels.

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